Tante Inge haut ab – ein etwas anderer Familienroman

Montag, Juli 5, 2010
By Benjamin Jendro

Tante Inge haut abIch persönlich erfreue mich immer wieder an Familienromanen, die jene zwischenmenschlichen Interaktionen mit den engsten Verwandten darstellen und so manchem wieder ein wenig den Glauben schenken, die eigene Familie sei doch gar nicht so schlimm wie man immer dachte. Mal ehrlich, in den zahlreichen Dokusoaps, die jeden Tag im Fernsehprogramm rauf und runter rattern, bemerkt man doch erst so richtig, was man an der eigenen Familien alles zu schätzen hat. Auch Romane verkörpern nicht selten diese ganz besonderen Familien, nur scheint in diesen zunächst auch alles ganz normal. Häufig ist es ein simpler Zufall oder eine kleines, sich veränderndes Detail, das alles ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt.

Christine ist in den Mittvierzigern und freut sich bereits riesig auf die Ankunft von Johann. Doch schon zu Beginn des Werkes zeigt sich, dass aus den ruhigen, entspannten Tagen auf Sylt wohl nichts werden wird. Es ist Tante Inge, die dem Plan einen Strich durch die Rechnung macht. Diese ist ganz spontan mit Koffer und allen Habseligkeiten nach Sylt gekommen. Vater Heinz vermutet, dass sie sich von ihrem Walter trennen möchte. Natürlich bleibt das nicht das einzige Übel, denn spätestens mit der Ankunft von Renate, der liebeshungrigen Freundin Inges, entwickelt sich ein Spektakel, das mit viel Witz sämtliche Vorurteile zu erfüllen weiß. “Tante Inge haut ab” verdeutlicht den Wunsch einer über Sechzigjährigen, die ihr Leben neu strukturieren will und dabei auch die anderen zum Nachdenken bewegt.

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